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Die Deutsche Bahn hat nach Angaben von Konzernchef Rüdiger Grube die Probleme mit den Klimaanlagen der ICE in den Griff bekommen. Das verriet Grube bei einer Krisensitzung mit den Bahnexperten der Fraktionen und Verkehrsminister Ramsauer.
BERLIN - Die letzten sechs Tage hätten „eine deutliche Stabilisierung“ gebracht, erklärte Bahnchef Rüdiger Grube nach einer Krisensitzung des Verkehrsausschusses im Bundestag. Bis auf zwei Ausnahmen hätten die Kühlsysteme reibungslos funktioniert. Die Reisenden scheinen dem Unternehmen die Pannen verziehen zu haben. Trotz der bis gestern anhaltenden Hitze in Deutschland wichen die Verbraucher nicht auf andere Verkehrsmittel aus. Es habe keine „systematische Abweichung“ von den üblichen Passagierzahlen gegeben, berichtete Grube.
Dafür gebe es auch keinen Grund. In den zurückliegenden zwei Wochen seien bei 0,34 Prozent der 11 200 ICE-Fahrten Ausfälle der Klimaanlagen aufgetreten. Grube betonte, diese Statistik sei nicht als Rechtfertigungsversuch zu verstehen. „Jeder Zug, der ausfällt, ist einer zu viel.“
Trotz allen Bemühens, die Gemüter zu beruhigen, stellte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) Strafanzeige gegen Grube und seine Vorstandskollegen. Es gehe um den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung, erklärte ein Verbandssprecher. Die Berliner Staatsanwaltschaft soll nun klären, ob die Bahn schon länger von den Problemen mit den Klimaanlagen wusste und ob sie dann ihre Kunden darüber hätte informieren müssen. „Die ein oder andere Familie wäre vielleicht nicht in den ICE eingestiegen, wenn sie gewusst hätte, dass die Klimaanlage nicht funktioniert“, sagte vbzv-Chef Gerd Billen den Ruhr Nachrichten.
Oppositionspolitiker zeigten sich nach der Befragung Grubes zwar einverstanden mit dessen Krisenmanagement, übten aber Kritik an der langjährigen Sparpolitik des Konzerns. Der SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer nannte es „unverständlich“, dass sich die Bahn nicht auf eine Hitzewelle vorbereitet habe. In der Tat war dem Unternehmen bekannt, dass die Klimaanlagen in den betroffenen ICE-2-Zügen nur bis 32 Grad ausgelegt waren. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Winfried Hermann, fordert höhere Investitionen in die Modernisierung der Züge. Er bekräftigte seine Kritik an der Absicht der Bundesregierung, die Bahn vom kommenden Jahr an zu einer Dividende von mindestens 500 Millionen Euro zu verpflichten.
Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wies dies zurück. Es sei „selbstverständlich“, dass der Bund als Eigentümer vom wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens mit profitieren wolle. Die Bundesregierung will mit einer Gesetzesänderung eine Wiederholung der Vorfälle verhindern. In einem Papier für den Verkehrsausschuss kündigt das Ministerium an, die Zugbauer stärker in die Pflicht zu nehmen. Dem zufolge soll das Allgemeine Eisenbahngesetz bis Ende diesen Jahres geändert werden, um künftig „die Verantwortung der Hersteller und Zulieferer für ein sicheres Bauen der Fahrzeuge“ fest zu schreiben.
Die Bahnindustrie wies die Vorwürfe an die Branche erneut zurück. In einer Unterlage für den Verkehrsausschuss weist sie darauf hin, dass Klimageräte in den Zügen unabhängig voneinander arbeiteten.
„Wenn zum gleichen Zeitpunkt mehrere Klimageräte ausfallen, liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einem Klimaanlagendefekt“, so der Verband der Bahnindustrie in Deutschland. Eine solche Ballung sei nur durch Probleme mit der Stromversorgung zu erklären oder eben den Umstand, dass die Klimaanlagen von Anfang an für die hohen Temperaturen nicht konstruiert waren.

Die Bahn steht nach dem Ausfall der Klimaanlagen in mehreren Zügen in der Kritik. (Bild: dpa)
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